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Mikrobiom und Allergien

Microbiome and Allergies

1. Der Zusammenhang zwischen Darm und Allergie:

Im Darm lebt ein hochkomplexes Ökosystem aus Bakterien, Pilzen und anderen Mikroben – das DarmMikrobiom. Dieses System steht in konstantem Austausch mit dem Immunsystem und beeinflusst, wie der Körper auf Pollen, Nahrungsmittel oder Hausstaub reagiert also auf Reize, die bei einer Allergie fälschlicherweise als gefährlich eingestuft werden, sodass das Immunsystem übermäßig stark darauf antwortet.

Studien zeigen:

  • Dysbiose – ein Ungleichgewicht des Darm-Mikrobioms – ist mit verschiedenen Allergien verbunden, darunter Heuschnupfen, Asthma und Nahrungsmittelallergien.
  • Das Mikrobiom wirkt wie ein „Trainer“ des Immunsystems und beeinflusst die Balance zwischen verschiedenen Immunzellen, die bei der Bekämpfung von allergischen Reaktionen „zusammenarbeiten“.
  • Ein gestörtes Darm-Mikrobiom steht mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Darmwand (Leaky Gut) in Verbindung; dadurch können mehr Allergene und mikrobielle Bestandteile in den Körper gelangen und Immunreaktionen verstärken.

Kurz gesagt:
Ein gut ausbalanciertes Mikrobiom (Eubiose) wirkt Allergien entgegen, Dysbiose hingegen kann Allergien begünstigen.

2. Mikrobiom – Immunsystem – Allergie: das Grundprinzip

Die Kopplung zwischen Mikrobiom, Immunsystem und Allergie lässt sich klar strukturieren:

  1. Das Mikrobiom produziert Moleküle wie kurzkettige Fettsäuren (SCFAs = short chain fatty acids).
  2. SCFAs können Immunzellen beeinflussen und wirken entzündungsmodulierend.
  3. Diese können bestimmte Immunzellen, sog. regulatorische T‑Zellen, stärken und übermäßige Reaktionen anderer Immunzellen (Th2-Zellen) mildern.
  4. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eigentlich harmlose Reize wie Pollen, Nahrungsmittel oder Tierhaare eine Immunreaktion auslösen. Dabei bildet der Körper vermehrt Immunglobulin E (IgE) – eine spezielle Art von Antikörpern, die an der Entstehung von Allergien beteiligt sind – und löst dadurch eine überschießende Freisetzung von Histamin aus.

Die Frage, warum manche Menschen Heuschnupfen oder Nahrungsmittelallergien entwickeln und andere nicht, obwohl sie denselben Umweltreizen ausgesetzt sind, hängt maßgeblich mit Mikrobiom und Barrierefunktion von Darm, Lunge und Haut zusammen.

3. Heuschnupfen & Darm-Mikrobiom: was die Forschung zur Pollenzeit zeigt

Klinische Untersuchungen zeigen, dass eine Kombination aus Probiotika und Präbiotika zu spürbar weniger Symptomen führt, mit verbesserten Immunparametern einhergeht und zudem die Spiegel kurzkettiger Fettsäuren wie Acetat erhöht. Darüber hinaus können Probiotika sowohl Symptome als auch die Lebensqualität bei allergischer Rhinitis signifikant verbessern, indem sie das Verhältnis bestimmter Immunzellen zueinander (Th1/Th2‑Verhältnis) in Richtung einer ausgewogeneren Immunantwort verschieben. Auch spezielle Probiotikaformulierungen erwiesen sich während der Pollenzeit als hilfreich, da sich bei den Betroffenen sowohl die Symptome als auch Aspekte wie Schlaf und Müdigkeit deutlich besserten.

Fazit:
Gezielte Probiotika‑ und Präbiotika‑Gaben können Heuschnupfen positiv beeinflussen – nicht direkt in der Nase, sondern über die Modulation des Immunsystems und des Darm-Mikrobioms.
Wichtig bleibt: Effekt = abhängig von Probiotika-Stämmen, Dosis und Dauer.

4. Leaky Gut & „Darmkonditionierung bei Allergien“

Der Begriff Leaky Gut  beschreibt den Zusammenhang zwischen Darmbarriere und Allergien:

  • Das Darmepithel mit „Tight Junctions“, Schleimschicht und Immunzellen bildet eine hochorganisierte Schutzbarriere.
  • Tight junctions sind „Verschlussproteine“ in der Darmwand - Wenn diese ihre Funktion nicht erfüllen, wird die Darmwand auch für krankmachende Substanzen durchlässig und es ensteht ein „leaky gut“ (löchriger Darm).
  • Bei einer Dysbiose kann diese Barriere geschwächt sein; die Durchlässigkeit steigt und mehr Allergene erreichen das Immunsystem.
  • Übersichtsarbeiten betonen, dass erhöhte Darmpermeabilität zur allergischen Sensibilisierung beitragen kann – insbesondere bei Nahrungsmittelallergien.

Unter Darmkonditionierung bei Allergien versteht man wissenschaftlich:

  • Unterstützung des Mikrobioms (z. B. durch Probiotika/Präbiotika)
  • Stärkung der Barrierefunktion
  • Modulation der Immunantwort hin zu mehr Toleranz bzw effektiverer Bekämpfung der Allergie

Mehrere wissenschaftliche Übersichtsarbeiten sehen hierin einen vielversprechenden ergänzenden Ansatz, jedoch keine Wunderheilung.

5. Darm‑Lungen‑Achse & Asthma

Die Darm‑Lungen‑Achse beschreibt, dass der Darm auch Atemwegsreaktionen mitbeeinflusst:

  • Reviews zeigen, dass das Darm-Mikrobiom und seine Stoffwechselprodukte (u. a. SCFAs) Immunantworten in den Atemwegen beeinflussen und entzündliche Reaktionen bei allergischem Asthma modulieren können.
  • Dysbiose und gestörte Barrierefunktion werden mit höherer Entzündungsbereitschaft, oxidativem Stress und erhöhter Reaktivität der Atemwege in Verbindung gebracht.
  • Probiotika/Präbiotika werden diskutiert, um über das Mikrobiom Immunbalance, Barrierefunktion und Atemwegsproblematiken positiv zu beeinflussen.

Damit gilt die Darm‑Lungen‑Achse inzwischen als reales Forschungsziel für zukünftige Therapiestrategien.

6. Was heißt das praktisch? (ohne Heilsversprechen)

Darm–Allergie–Zusammenhang

  • Das Mikrobiom beeinflusst die Reaktion des Immunsystems auf Allergene.
  • Dysbiose ist mit Heuschnupfen, Asthma und Nahrungsmittelallergien assoziiert.

Leaky Gut & Allergie

  • Eine geschwächte Darmbarriere erleichtert Allergenübertritt und fördert allergische Reaktionen – vor allem bei Nahrungsmittelallergie.

Darm-Lungen-Achse & Asthma

  • SCFAs beeinflussen entzündliche Atemwegsprozesse; mikrobiomorientierte Ansätze werden intensiv erforscht.

Probiotika & Darmkonditionierung bei Allergien

  • Probiotika (häufig kombiniert mit Präbiotika) können Symptome und Lebensqualität verbessern und Immunmarker günstig modulieren.
  • Sie ersetzen jedoch nicht automatisch klassische Therapien oder Allergenvermeidung.

 

 

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